Die Geschichte der Abendmode

Written by  //  23. Februar 2012  //  Allgemein  //  No comments

alte historische Nähmaschine

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Heute haben sich knappe figurbetonte Minikleidchen als Abendkleider etabliert, die vor allem lange gebräunte Beine zur Schau stellen und tiefe Ausschnitte. Noch vor hundert Jahren wäre die vornehme Gesellschaft bei einem derartig “nackten” Auftritt jedoch kollektiv in Ohnmacht gefallen. Und viele Frauen wünschen sich auch heute noch, einmal in einem prachtvollen alten Ballkleid wie einst Sissi beim Walzer übers Parkett zu schweben. Dabei war die Abendmode schon immer in Bewegung.
Historische Kostüme geben oft ein verzerrtes Bild des Alltags in früheren Jahrhunderten wider: Nur weil frau früher prinzipiell bodenlange Kleider trug, gab es große Unterschiede zwischen alltäglicher Kleidung und festlicher Kleidung. Besonders deutlich war dies im 16. und 17.Jahrhundert, als die höfische Kultur des Mittelalters durch das glanzvolle Zeitalter des Barock abgelöst wurde, das seine Vollendung später im Rokoko am Hof von Versailles fand. Den Weg nach Mitteleuropa fand die Mode des Barock nach dem Ende des 30-jährigen Krieges aus Italien, wo reiche Kaufleute bereits seit der Renaissance prachtvolle Stoffe aus fernen Ländern importierten und ihre Frauen in verschwenderisch schöne Roben mit Spitzenbesatz, Edelstein-Applikationen und erlesener Seide steckten. Noch heute haben sich die wunderschönen Roben des italienischen Barock im weltberühmten Karneval von Venedig erhalten.
Bei uns sind Kleider im Barock-Stil allenfalls noch in Form besonders schöner Hochzeitskleider zu sehen, die mit engen Korsetts und üppigen gerafften Röcken genäht werden. Historische Kostüme finden jedoch auch immer mehr Liebhabern von historischen Romanen, die sich zu speziellen Bällen und anderen Veranstaltungen zusammenfinden um unter einem Motto wie “Ballnacht in Versailles” oder “Kaiserball in Wien” ihre Lieblingsepoche wieder aufleben lässt.
Immer mehr Anhänger findet in Deutschland auch die etwas dezentere Mode der englischen Regency, die Ende des 18.Jahrhunderts die üppigen Formen des Barock und des Rokoko ablösten. Als “Regency” wird in Großbritannien die Epoche des sogenannten Prinzregenten bezeichnet, der später als George IV. den Thron bestieg. Er führte bereits von 1811 bis 1820 die Amtsgeschäfte für seinen Vater George III., der durch eine Krankheit mit Wahnvorstellungen außer Gefecht gesetzt war, während England auf dem Kontinent in die napoleonischen Kriege verstrickt war. Unsterblich wurden nicht nur Kriegshelden wie der Duke of Wellington und Admiral Lord Nelson, sondern auch eine Pfarrerstochter aus Hampshire: Jane Austen, deren Romane wie “Stolz und Vorurteil” aus der Regency-Epoche unzählige Male verfilmt wurden und bis heute noch junge Frauen von ihrem Mr Darcy träumen lassen. So treffen sich heute regelmäßig Austen-Fans in passenden historischen Kostümen zu Tanzfesten in den Ballräumen von Bath, seinerzeit der wichtigste Treffpunkt der englischen Regency.
Im 19.Jahrhundert erlebte die Mode noch einmal ein Comeback der Üppigkeit, als im viktorianischen England riesige Reifröcke in Mode kamen, in denen keine Frau mehr durch die Tür passte. Auch beim Tanzen erwiesen sich diese Röcke als eher hinderlich und so haben sie unter Geschichtsfans ebenso wenig ein Comeback erlebt wie die später folgenden Kleider mit nach hinten ausgestellter Tournüre (weniger vornehm als Pokissen bezeichnet).
Die Abendmode wie wir sie heute kennen – mit eng anliegenden Kleidern oder kurzen Minikleidern – kam nach dem 1.Weltkrieg ab den “Roaring Twenties” auf, als die ersten mutigen Frauen noch abfällig als “Flapper” bezeichnet wurden. Statt steifen Bällen war nun Party angesagt.

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